Dr. Eisenbarth Theaterprojekt

MEDIZIN UND THEATER

Wer war Johann Andreas Eisenbarth?

Theaterprojekt mit einem Zuschauer und Studie über „Placebo“
Von Lorenz Eisenbarth

Um das Projekt Medizin & Theater der Wanderbühne Dr. Eisebenbarth zu erklären, muss ich Sie, lieber Leser, mitnehmen in meine Kindheit.
Als ich zwölf Jahre alt war habe ich von meiner Grossmutter ein Buch bekommen mit dem Titel: Ich bin der Doktor Eisenbarth.
Ein Historien-Roman von Josef Winckler, Zahnarzt und Schriftsteller (1881 – 1966).

Es wurde mir also bekannt gemacht, dass ich einen berühmten Vorfahren hatte, welcher von 1663 – 1727 in Deutschland lebte und reiste. Dr. Andreas Eisenbarth war ein gelernter Chirurg (damals noch ein niederes Handwerk), selbsternannter Arzt, und ein talentierter Psychologe und Taktiker.
Er reiste durch Dörfer und Städte, weil in einem Ort kein Auskommen möglich war. Er präsentierte seinen verblüfften Zuschauern eine rasante Medizinalshow mit echten und gespielten Heilungen, mit Musik, Tanz, Zauberei und politischem Theater.

Er besass die erste Arzneimittelfabrik der Welt, in Magdeburg und verkaufte seine Mittel in ganz Deutschland. In seinen besten Jahren reiste Dr. Eisenbarth mit einer Truppe von zweihundert Angestellten.

Das Buch hat in mir ein Feuer angezündet: Die magische Verbindung von Medizin und Theater.

Noch im Kindesalter habe ich angefangen Kräuter zu sammeln und mich in Pflanzenheilkunde auszubilden. Gleich mit sechzehn Jahren habe ich an der Scuola Teatro Dimitri eine Grundausbildung für Bewegungstheater und Maskenspiel absolviert.
In den folgenden Jahren habe ich zusammen mit anderen Künstlern unzählige Theaterprojekte realisiert. Manche hatten einen direkten Zusammenhang mit Medizin oder Pflanzenheilkunde.

Auch in der Kräutermedizin habe ich mich weiter entwickelt und viele Medizinalpflanzen ausprobiert und Neues entwickelt. Eine neue Art Kräuter zu trocknen, ohne künstliche Wärme, zum Beispiel. Ich habe viel geforscht auf dem Gebiet der Frischpflanzen und deren Haltbarmachung. Ich habe die Pflanzen als bewundernswerte Lebewesen lieben und schätzen gelernt. Sie sind meine guten Geister und ständigen Begleiter geworden, ohne die ich nicht mehr leben möchte.

In den vergangenen zwanzig Jahren habe ich mit je einem Bein im Theater und mit dem anderen in der Pflanzenmedizin gesteckt. Das war nicht unproblematisch, obschon sich das oft berührte und inspirierte, hat es auch kollidiert und sich behindert. Es ist nicht leicht in zwei grossen Themen gleichzeitig zu bestehen.
Oft hatte ich Kriesen und glaubte, mich für das Eine entscheiden zu müssen.

In letzter Zeit wuchs nun das Verlangen Medizin und Theater in einem Projekt für immer zu verheiraten. Mich interessieren die Schnittpunkte.
Die Theorie aber auch die Praxis und eben: „Placebo“.

DSC00211 DSC00258 echinacea

Medizin

Wo liegen die Aspekte des Theaters in der Medizin. Der Arzt ist ein Magier welcher ausstrahlt, über Gesundheit oder Tod seiner Patienten zu herrschen. Der Arzt bewirkt oft schon durch sein Erscheinen ein Genesen und „sich besser fühlen“ des Kranken. Denn durch den Arzt, glaubt der Patient an eine Besserung seiner in Schieflage geratenen Gesundheit.
Diese Gewissheit zu wissen, die Überlegenheit, war in allen Zeiten ein Merkmal der Ärzte. Das, obschon sich regelmässig im Laufe der Zeit dieses Wissen als Irrtum herausgestellt hat.
Der gute Arzt spielt diese Sicherheit und weiss, das sich der Patient am Ende selber heilt. Nicht der Arzt und nicht die Hilfsmittel.

Der theatralische Effekt besteht also vor allem in der Beziehung Arzt und Patient.
Die Mittel, die Heilmittel üben auch eine theatralische Wirkung aus. Man nennt das in der Medizin Placeboeffekt.

Theater

Was sind die medizinischen Aspekte des Theaters.

Gutes Theater ist wie Medizin. Es bewirkt das sich der Zuschauer besser fühlt oder in einer gewissen Weise bereichert wird. In gleicher Weise wie die Kunst bestrebt ist, den Betrachter in andere Dimensionen des Seins zu entführen, macht das die Krankheit: Sie zwingt uns zur „Bewegung“ – in neue Bewusstseinsebenen einzutreten und Veränderung in Angriff zu nehmen. Ein ganz vorzügliches Mittel ist der Humor. Lachen ist ein reines Heilmittel.

Der Mensch will dass man ihm Geschichten erzählt. Das ist eine Art geistige Nahrung, welche jeder Mensch braucht, um gesund zu bleiben. Der medizinische Effekt des Theaters, liest sich von den Gesichtern der Zuschauer, wenn sie eine Vorstellung verlassen.
Auch Provokation, aufrütteln und gezwungen sein, sich mit Verdrängtem auseinander zu setzen, ist Medizin.
Das ist auch in der Medizin ein Methode, insbesondere in der Psychiatrie. Die Symptome werden verstärkt, der Zustand verschlimmert, um den Patienten zu einer Entscheidung oder Einsicht zu bewegen.

Img001 Img004 Img002

Urvölker und Naturvölker

In verschiedensten Kulturen aus dem Altertum bis hin zu Naturvölkern in heutiger Zeit, war die Verschmelzung von Medizin und Theater Programm.
Respektive es war nie getrennt. Wenn wir die Rituale, die Musik, den Gesang, die Tänze, Ekstasen, in Personnagen hineinschlüpfen, der alten Heiler, Medizinfrauen und -Männern anschauen, sehen wir die perfekte Symbiose von Medizin und Theater,

Das Projekt

Theatralische Lebens und Gesundheitsberatung

Aus dem späten Mittelalter auferstanden, bewegt sich Dr. Eisenbarth ganz selbstverständlich durch unsere Zeit. Mit Perücke und schmucken Kostümen, mit unerschütterlicher Selbstsicherheit bereist Dr. Eisenbarth mit seiner fahrenden Apotheke Dörfer und Städte.

Für die Vorstellungen wird jeweils nur ein Zuschauer eingelassen. Der „Patient“ ist aktiv am geschehen der Darbietung beteiligt, die Behandlung ist interaktiv.

Der Dr. Eisenbarth hat viele Helfer und Statisten:
Das Jahr über werden viele Pflanzen eingesammelt, getrocknet oder zu Tinkturen, Salben, Tabletten und Pasten verarbeitet.
Die Behandlung vom Doktor und die langen Kuren aus meist bitterer Medizin, die er verschreibt, sind kostenlos. Der Eintritt für dieses Theater kostet 20.-.

Diese Theatervorstellungen unter vier Augen können richtige, tiefe Erkenntnisse hervorbringen und das Leben der Menschen von Grund auf verändern. Sie können aber auch in grenzenloser Blödelei und doktorhafter Schönrederei ins Uferlose führen. Alles ist möglich.

Projektstart März 2014 (siehe Theater/aktuelle Stücke)

Dr Eisenbarth Img003 Dr Eisenbarth 2